Tom Byron wurde am 4. April 1961 in Lake Charles, Louisiana, geboren, wuchs jedoch in Florida auf. Schon als Teenager interessierte er sich für die aufkommende Videotechnik und arbeitete zunächst in einem lokalen Videogeschäft. Durch Zufall kam er in Kontakt mit einem Produzenten aus der Erwachsenenbranche, der ihm 1982 eine erste Rolle in einem Kurzfilm anbot. Byron war damals 21 Jahre alt und sah die Gelegenheit, schnell Geld zu verdienen und gleichzeitig die Freiheit der neuartigen Drehorte im Süden Floridas zu genießen. Seine ersten Auftritte waren noch von einer gewissen Unsicherheit geprägt, doch er erkannte bald, dass eine natürliche Kamera-Präsenz und sein ungezwungenes Auftreten ihm Türen öffneten.
1983 zog Tom Byron nach Los Angeles, um seine Karriere auf das nächste Level zu heben. In der damals boomenden VHS-Ära war die Nachfrage nach neuen Gesichtern enorm. Byron drehte in den ersten Jahren für bekannte Studios wie VCA und Caballero Home Video. Sein erster größerer kommerzieller Erfolg war die Reihe „The Young Like It Hot“, in der er an der Seite von Schauspielerinnen wie Traci Lords auftrat. Anders als viele seiner Kollegen vermied Byron bewusst stereotype Rollen und versuchte, jede Szene mit einer gewissen Authentizität zu füllen. Diese Herangehensweise brachte ihm nicht nur Respekt in der Branche ein, sondern auch eine loyale Fangemeinde.
Im Laufe der 1980er und 1990er Jahre etablierte sich Tom Byron als einer der beständigsten Darsteller. Er gewann 1988 den AVN Award als „Male Performer of the Year“ und wurde in den folgenden Jahren mehrfach nominiert. 1991 übernahm er die Hauptrolle in der preisgekrönten Produktion „The Last Temptation of John“, einer satirischen Parodie, die über das übliche Genre hinausging. Byron selbst betonte in Interviews, dass diese Rolle ihm half, seine schauspielerische Bandbreite zu zeigen. Parallel dazu wagte er 1993 den Schritt in die Regie und drehte eigene Filme unter dem Pseudonym „Tommy Rock“. Sein Regiedebüt „Wild at Heart“ – nicht zu verwechseln mit David Lynchs Film – wurde für seine frische Ästhetik gelobt, auch wenn es nie den Mainstream erreichte.
Privat heiratete Tom Byron 1989 die Schauspielerin Nina Hartley, die Ehe hielt jedoch nur drei Jahre. In seiner Autobiografie „My Life in the Fast Lane“ (2005) beschrieb er diese Zeit als intensiv, aber auch belastend durch den ständigen öffentlichen Druck. Mitte der 1990er Jahre zog er sich zeitweise aus dem Los Angeleser Szeneleben zurück und lebte in einer kleinen Stadt in Oregon, um Abstand zu gewinnen. Dort begann er mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, die später in einer limitierten Auflage veröffentlicht wurden. 1998 kehrte er nach Kalifornien zurück, nun mit einer neuen Perspektive: Er legte mehr Wert auf Verträge mit festen Gagen und lehnte Projekte ab, die ihm künstlerisch nicht zusagten.
Mit dem Aufkommen des Internets in den 2000er Jahren veränderte sich die Erwachsenenunterhaltung grundlegend. Tom Byron passte sich an, indem er ab 2002 eine eigene Website betrieb und Exklusivszenen direkt an Fans verkaufte. Er drehte weiterhin, aber in geringerem Umfang, und konzentrierte sich auf Kooperationen mit kleineren, unabhängigen Produktionen. 2010 gab er bekannt, dass er seine Rolle als regulärer Darsteller beende, aber gelegentlich für Nostalgie-Projekte vor der Kamera stehe. Sein letzter abendfüllender Film „The Final Cut“ erschien 2015 und wurde von Kritikern als würdiger Abschluss einer langen Laufbahn angesehen. Seither lebt Tom Byron zurückgezogen in Südkalifornien und arbeitet an einem Dokumentarfilm über die Geschichte des Genres, der 2024 erscheinen soll.